Wir schließen den Kreis – und verlängern den Lebenszyklus von Leuchten
Die Überholung alter Leuchten ist ein wachsender Trend. Ab und zu braucht eine ausgediente Leuchte nur ein wenig Aufmerksamkeit und technisches Know-how, um wieder in neuem Glanz zu erstrahlen. Wir haben mit Emma Hallman, Mathilda Holl und Andreas Ekslätt – dem Team hinter ReLight bei Fagerhult – über die Herausforderungen gesprochen, nachhaltige Lösungen zu finden, die alten Leuchten eine neue Zukunft ermöglichen.
Alle Aspekte der Arbeit von Fagerhult sind von einer tief verwurzelten Innovationskultur geprägt. Das beruht vermutlich auf dem Ansatz des Gründers Bertil Svensson: Probleme – oft mit nur kleinen Mitteln – und einer großen Portion Neugier und Engagement zu lösen. Nachhaltigkeit war damals noch kein Schlagwort wie heute. Ein bewusster Ressourceneinsatz und ein hoher Qualitätsanspruch waren jedoch schon immer wichtige Voraussetzungen für Fagerhult. Unser Fokus auf Kreislaufwirtschaft spornt uns dazu an, unsere Ansätze neu zu überdenken, und wir sind bestrebt die Suche auf langfristige Lösungen zu lenken.
Fagerhults Abteilung Bespoke Lighting Solutions (BLS) entwickelt seit vielen Jahren einzigartige Leuchten und angepasste Lösungen. Deswegen sind wir mit der Überholung und Aktualisierung alter Leuchten bereits gut vertraut. Das Ziel, alte Leuchten wiederzuverwenden und zu überholen, um die Klimabelastung zu verringern, ist mit der Zeit jedoch immer wichtiger geworden. Dabei werden Design und Technologie von gestern durch heutige Fortschritte auf den neuesten Stand gebracht, um die Anforderungen von morgen zu erfüllen.
„Wir wollen die Wiederverwendung von Leuchten leichter zugänglich machen. Für viele Leuchten bieten wir komplette Standard-Kits, die im Prinzip serienmäßig bestellt werden können. Wir analysieren neue Anforderungen gründlich und entwickeln Lösungen auf Grundlage unserer Kernidee: Beleuchtung, die hohen Komfort und hochwertige Qualität bietet. Wir arbeiten ständig an der Verbesserung unseres Prozesses, um die Wiederverwendung von Leuchten möglichst zu erleichtern.“ Emma Hallman, Business Development Manager
ReLight – Licht für Ihre alten Leuchten
Für das ReLight-Team bei Fagerhult gibt es keine ungewöhnlichen Fragen oder unmöglichen Lösungen. Tag für Tag bearbeiten die Teammitglieder Anfragen zu speziell entwickelten Beleuchtungslösungen für Projekte aus Fagerhults Märkten. Es ist ein komplexer Prozess. Inzwischen wissen sie aber, dass sich einige Projekte perfekt dafür eignen, alte Leuchten wiederzuverwenden, anstatt in neue zu investieren.
„Für uns stehen Beleuchtungskomfort, Sicherheit und Ästhetik der Leuchte im Mittelpunkt jedes ReLight-Projekts. Wir berechnen auch sorgfältig, ob wir die Klimaauswirkungen der Leuchte während ihres Lebenszyklus insgesamt reduzieren können und, um wie viel. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, beginnen wir mit der Planung und Entwicklung eines neuen Kits“, erklärt Emma Hallman.
ReLight basiert auf dem tiefgreifenden Engagement, Materialien und Energie zu sparen – und durch die Überholung von Leuchten etwas für die Umwelt zu tun. Es können allerdings nicht alle Leuchten für immer leben; einige sind definitiv veraltet. Hier bietet sich Recycling eher an als Überholung.
„Für uns stehen die Qualitäten der Leuchte in Bezug auf Lichtkomfort, Sicherheit und Ästhetik im Mittelpunkt jedes ReLight-Projekts. Auf Wunsch berechnen wir auch, ob und wie stark wir die gesamten Klimaauswirkungen der Leuchte über ihren Lebenszyklus reduzieren können“, erklärt Emma Hallman.
Sicherheit und Qualität sind der gemeinsame Nenner aller Produkte von Fagerhult. Das gilt auch für ReLight. Während des gesamten Prozesses sind CE-Kennzeichnung und Tests entscheidende Faktoren.
„Um die Gesamtqualität sicherzustellen, wird die aktualisierte Leuchte vor der Auslieferung vollständig mit dem CE-Zeichen versehen. Außerdem möchten wir die Installation vor Ort möglichst reibungslos und schnell gestalten und das neue Kit so nah wie möglich an einer kompletten Leuchte sein“, erklärt Andreas Ekslätt.
TEXT LINDA KARLSSON
FOTO BJÖRN CEDER
Möchten Sie Ihre Beleuchtungslösung überprüfen?
Haben Sie Bedarf, Ihre bisherige Beleuchtungslösung zu aktualisieren, zu ersetzen oder zu überholen – oder möchten Sie einfach etwas mehr über den Ablauf des ReLight-Projekts erfahren? Erfahren Sie mehr über ReLight. Für weitere Informationen können sich jederzeit an Ihre Vertriebsniederlassung vor Ort wenden.
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Wiederverwendete Druckplatten in den neuen Kartonleuchten von Fagerhult
Eine ausgediente Druckplatte wird zu einem neuen Element einer Leuchte und erhält so eine zweite Chance. Genau das geschieht bei den Wrapped-Ecken- und Deckenleuchten. Gebrauchte Druckplatten werden wiederverwendet und zu einem integralen Bestandteil der Konstruktion. Die Wiederverwendung von Druckplatten ist die perfekte Umsetzung des Konzepts der industriellen Symbiose: Rest- oder Abfallprodukte aus einem Produktionsbereich werden zu einem wertvollen Ausgangsprodukt für einen anderen. Die Idee entstand an einem Küchentisch in Lund, als Niclas Thulin, Nachhaltigkeitsmanager bei Fagerhult, seine Eltern besuchte.„Sie fragten mich, wie es bei der Arbeit lief, und ich erzählte ihnen von Kvisten, wo wir zu diesem Zeitpunkt bereits in der Endphase waren. Für dieses Produkt haben wir Reflektoren aus alten Fernsehern wiederverwendet, und ich erwähnte, dass wir auf der Suche nach weiteren Reststoffen zur Wiederverwendung seien.“ Niclas erklärte dann, dass das Unternehmen einen stetigen Materialfluss und eine langfristig gleichbleibende Qualität benötige – und im Idealfall auch immer das gleiche Format. „Und dann sagte mein Vater, der schon sein ganzes Leben in der Druckereibranche arbeitet, plötzlich: „Mensch, wir haben doch jede Menge Druckplatten. Sie sind von absoluter Spitzenqualität, haben immer das gleiche Format – und sind recycelt.“ Am nächsten Tag brachte er ein paar Druckplatten mit nach Hause, die ich dann mit zur Arbeit nahm und meinen Kolleginnen und Kollegen in der Entwicklungsabteilung zeigte. „Mir fiel sofort auf, dass sie den Materialien ähnelten, die wir in vielen unserer Leuchten einsetzen. Zudem gibt es sie in großen Mengen, die Qualität ist hoch und gleichbleibend, und die Platten haben in etwa die gleiche Größe. Alle Eigenschaften, die wir suchten, waren vorhanden.“ Zitat Niclas Von der Druckerei zur Leuchte Als die Druckplatten in der Entwicklungsabteilung von Fagerhult eintrafen, stießen sie direkt auf großes Interesse – ließen sie sich vielleicht in der neuen Leuchte „Wrapped“ einsetzen?„Ich stand mit der Druckerei in Kontakt, um über Wrapped zu sprechen und zu klären, wie wir Papier für den eigentlichen Leuchtenkörper verwenden könnten. Die Druckplatten gingen mir damals nicht mehr aus dem Kopf, also habe ich das Thema angesprochen. Sie waren sofort dabei“, berichtet Jonathan Levinsson, Konstrukteur bei Fagerhult.Die Druckerei verwendet sehr viele Druckplatten, einige davon werden derzeit für Wrapped Ecke und Wrapped zur Aufbaumontage (Decke) eingesetzt. Das Blech wird innen als Teil der Konstruktion montiert. Hier trägt es u. a. zur elektrischen Sicherheit bei, indem es als Isolations- und Erdungsschicht dient. Außerdem sorgt es für Stabilität und kann beispielsweise zur Befestigung von Kabeln und anderen Bauteilen dienen. Kreislauf. Abfälle aus einer Branche sind Wertstoffe für eine andere. „Die Tatsache, dass die Platten langfristig dieselben Abmessungen und Eigenschaften beibehalten, gewährleistet einen stabilen Materialfluss und machen die Produktion planbar. Das ist ein großer Vorteil für uns“, erklärt Jonathan. Beim Material ansetzen – nicht beim Produkt Der Prozess hebt zudem ein wichtiges Prinzip der industriellen Symbiose hervor. Oft ist es einfacher, eine Verwendungsmöglichkeit für ein Rest- oder Abfallprodukt zu finden, als zuerst zu entscheiden, welches Produkt man herstellen möchte, und dann nach geeignetem Recyclingmaterial zu suchen.„Ich denke, man muss beim Rohstoff ansetzen und von hier aus das Bauteil entwerfen. Wenn man zuerst ein Bauteil entwirft und dann versucht, ein passendes Material zu finden, kann das wirklich schwierig sein“, erklärt Niclas.Die Druckplatten sind hierfür ein gutes Beispiel. Hätte Fagerhult bei der Frage: „Wo finden wir Bleche als Restprodukt?“ angesetzt, hätte sich die Suche wahrscheinlich auf die Metallindustrie konzentriert.„Vielleicht hätten wir nach einem Betrieb gesucht, der Bleche biegt oder stanzt. Auf Druckereien wären wir nie gekommen, da sie sich ja mit etwas ganz anderem befassen. Genau das macht die industrielle Symbiose so interessant.“Gleichzeitig ist es nicht einfach, neue Zusammenhänge herzustellen.„Es ist schwer zu wissen, welche Rest- oder Abfallprodukte andere Unternehmen haben, zumal man selbst nicht immer genau weiß, wonach man eigentlich sucht. Ich glaube, wir brauchen mehr Foren, in denen man Einblicke in andere Branchen und Unternehmen gewinnen kann und in denen wir das Thema industrielle Symbiose offener diskutieren können“, so Niclas. Durch den Austausch und die Weiterentwicklung von Ideen ermöglichen Niclas und Jonathan neue und innovative Kooperationen. Ideen, die zwischen den Abteilungen hin- und herwandern Bei Fagerhult gibt es bereits eine Arbeitsweise, die diesen Austausch von Ideen fördert. Niclas und Jonathan tauschen ständig Ideen aus, und ein kleines Team mit Mitgliedern aus den Bereichen Nachhaltigkeit sowie Forschung und Entwicklung trifft sich von Zeit zu Zeit, um neue Ideen zu entwickeln.„Wir tauschen viele Ideen miteinander aus. Es ist immer spannend zu beobachten, was Jonathans Interesse weckt und was nicht. Manchmal stößt jemand zufällig auf etwas, worauf wir dann aufbauen können“, berichtet Niclas.Im Fall der Druckplatten kam die Lösung aus einer unerwarteten Quelle.„Das war wirklich reines Glück. Mein Vater saß nicht da und überlegte, wie er ein Problem für Fagerhult lösen könnte. Doch als ich ihm sagte, was wir brauchten, sah er sofort die Möglichkeit. Er ist clever und findet oft eigene Lösungen“, erklärt Niclas. „Es ärgert mich fast ein bisschen, dass ich nicht selbst darauf gekommen bin.“ Eine Lösung, die mehrere Arbeitsabläufe verbindet Bislang haben wir noch keine Berechnungen zu den genauen Klimavorteilen durchgeführt. Das Prinzip ist jedoch klar: Durch die Möglichkeit, vorhandene Materialien anstelle von neuen Rohstoffen zu verwenden, lässt sich der Bedarf an neuen Ressourcen senken. „Wir müssen über die gesamte Kette hinweg offen sein und den Mut haben, über den Tellerrand unserer eigenen Branche hinauszuschauen. Die richtigen Materialien sind vielleicht an einem Ort zu finden, an dem wir nie danach gesucht hätten“, so Niclas Thulin abschließend.
Fagerhult halbiert seine CO₂-Emissionen – 49 % weniger seit 2021
Fagerhults geringere Klimaauswirkungen basieren auf vier zentralen Säulen: Materialwahl, Produktinnovationen, Initiativen zur Wiederverwendung und ein systematischer analytischer Ansatz. Innerhalb von fünf Jahren sind die CO₂-Emissionen insgesamt um 49 Prozent gesunken – was weit über die eigenen Ziele des Unternehmens hinausgeht. In Fagerhults 80-jähriger Geschichte war der schonende Umgang mit Ressourcen stets ein Schwerpunkt, der das Unternehmen bis heute prägt. Seit 2021 wurden Ausrichtung und Zielsetzung für diese Prozesse noch klarer formuliert – mit konkreten CO₂-Emissionszielen, langfristigen Plänen und einem umfassenden Nachhaltigkeitsprogramm, das auf Lebenszyklusanalysen (LCA) basiert.„Eine Senkung dieser Größenordnung in so kurzer Zeit zeigt, dass systematische Prozesse wirklich greifen. Es sind viele Maßnahmen, die zusammenspielen, wobei jede noch so kleine Verbesserung zum Gesamtbild beiträgt“, erklärt Josefin Carlsson, Expertin für Nachhaltigkeit bei Fagerhult. Fagerhults gesamte CO₂-Emissionen sind im Vergleich zu 2021 um 49 Prozent zurückgegangen. Viele Initiativen – ein gemeinsames Ziel Dieser Erfolg beruht auf einer Reihe strategischer Entscheidungen im Hinblick auf die Produktentwicklung und Prozesse. Die Arbeit fand auf mehreren Ebenen parallel statt, ganz nach dem Grundsatz, dass alle kleinen Beiträge zusammen eine große Wirkung entfalten.„Innovation und nachhaltige Lösungen schaffen für unsere Kunden einen erheblichen Mehrwert und senken die Emissionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – nicht nur in unserer eigenen Produktion“, fügt Josefin Carlsson hinzu. Josefin Carlsson, Expertin für Nachhaltigkeit bei Fagerhult, Habo. Die größte Wirkung ist in der Nutzungsphase zu beobachten, in der die Emissionen seit 2021 kontinuierlich um rund 200 000 Tonnen CO₂e reduziert wurden – ein Rückgang um 49 Prozent. Zugleich konnten die Scope-1- und Scope-2-Emissionen im Vergleich zum Basisjahr um 60 Prozent gesenkt werden. Nachhaltigkeit in der Praxis Ein entscheidender Faktor für diese Fortschritte sind die vielfältigen parallelen Initiativen, wobei die Materialauswahl eine zentrale Rolle spielt.Seit 2025 enthalten die meisten Leuchten mit Gehäusen aus stranggepresstem Aluminium bis zu 75 Prozent recyceltes Material. Dies trägt zu jährlichen Emissionseinsparungen von etwa 225 Tonnen CO₂e bei.Im Jahr 2025 hat Fagerhult im Rahmen der ReLight-Initiative an jedem Arbeitstag mehr als hundert Leuchten wiederverwendet. Durch die Nachrüstung bestehender Leuchten mit neuer Technologie und die Verlängerung ihrer Lebensdauer lassen sich die Klimaauswirkungen durch Material und Produktion erheblich verringern. Durch Wiederverwendung haben mehr als 50 000 Produkte ein neues Leben erhalten.Auch die Produktentwicklung ist ein entscheidender Motor für den Wandel. Mehrere Innovationen haben dabei die Klimaauswirkungen verringert und die Energieeffizienz gesteigert: Multilume Re:Think hat seit der Einführung im Jahr 2021 durch intelligentes Design und die Wahl umweltverträglicher Materialien die Scope-3-Emissionen um über 320 Tonnen CO₂e reduziert. Das entspricht 1 300 Bäumen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren wachsen. Der Twin Dual Driver hat die Umweltbelastung durch die effizientere Elektronik besserer Vorschaltgeräte und eine optimierte Materialzusammensetzung um 49 Prozent reduziert. Das Gehäuse aus Solid Board (Massivkarton) von Wrapped hat die Umweltauswirkungen im Vergleich zu neu produziertem Aluminium um 89 Prozent gesenkt. Gleichzeitig ist heute mehr als jede zehnte verkaufte Leuchte mit einem integrierten Sensor ausgestattet, wodurch der Energieverbrauch im Betrieb gesenkt wird. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist der langfristige faktenorientierte Ansatz.„Anhand von Lebenszyklusanalysen haben wir ermittelt, wo und wann Auswirkungen auf das Klima auftreten – und welche Maßnahmen den größten Einfluss haben. „Dieses Wissen nutzen wir nun für unser Engagement, unsere Klimaauswirkungen weiter zu reduzieren“, so Josefin Carlsson abschließend.